Mischkollagenose ist eine alternative Bezeichnung für eine systemische rheumatische Erkrankung, die gekennzeichnet ist durch überlappende Symptome eines systemischen Lupus erythematodes, einer systemischen Sklerodermie und einer Polymyositis.
Typische Symptome sind das Raynaud-Syndrom, Gelenkschmerzen, verschiedene Hautveränderungen, Muskelschwäche und Erkrankungen der inneren Organe.
Die Diagnose stützt sich auf die Symptome und die Ergebnisse von Bluttests, bei denen charakteristische Antikörper festgestellt werden.
Die Behandlung hängt vom Schweregrad der Symptome ab und kann nichtsteroidale Antirheumatika, Hydroxychloroquin, Kortikosteroide und andere Immunsuppressiva umfassen.
Mischkollagenose kommt bei Frauen häufiger vor als bei Männern. Sie tritt weltweit auf, betrifft Menschen aller Ethnien und ist in der Jugend oft am stärksten ausgeprägt.
Bei Mischkollagenose handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung mit unbekannter Ursache. Bei einer Autoimmunkrankheit produziert der Körper Antikörper oder Zellen, die das eigene Körpergewebe angreifen.
Symptome der Mischkollagenose
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Die für eine Mischkollagenose typischen Symptome sind das Raynaud-Syndrom (weiße, kribbelnde oder gefühllose und blaue Finger bei Kälte und emotionalem Stress), Gelenkentzündungen (Arthritis), geschwollene Hände, Muskelschwäche, Sodbrennen und Kurzatmigkeit. Das Raynaud-Syndrom kann anderen Symptomen um Jahre vorausgehen. Gleichgültig, wie die Krankheit anfängt, sie verschlechtert sich meist, und die Symptome breiten sich auf andere Körperteile aus.
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Es können Lupus ähnelnde Hautausschläge auftreten. Ferner können Hautveränderungen wie bei einer systemischen Sklerodermie vorkommen, z. B. gespannte Haut an den Fingern und Wundstellen an den Fingerspitzen.
Bei fast allen Mischkollagenose-Patienten kommt es zu Gelenkschmerzen. Rund 75 Prozent der Patienten leiden unter den für eine Arthritis typischen Schwellungen und Schmerzen. Außerdem nehmen die Muskelfasern Schaden, sodass vor allem Schulter- und Hüftmuskeln geschwächt sind und schmerzen. Die Betroffenen haben häufig Schwierigkeiten, die Arme über Schulterhöhe anzuheben, Treppen zu steigen oder von einem Stuhl aufzustehen.
Bei 75 % der Patienten ist die Lunge angegriffen. Um die Lunge herum kann sich Flüssigkeit ansammeln (Pleuraerguss). Die interstitielle Lungenerkrankung, die die Lungenbläschen betrifft, kann das größte Problem sein, da sie zu Kurzatmigkeit führen kann. Bei einer pulmonalen Hypertonie ist der Blutdruck in den Arterien der Lunge (Pulmonalarterien) ungewöhnlich hoch, was oft tödlich ausgehen kann.
Erkrankungen, die zur Entzündung des Herzens führen, z. B. eine Perikarditis und Myokarditis, können entstehen. In seltenen Fällen führt die Herzschwäche zu einer Herzinsuffizienz. Symptome einer Herzinsuffizienz sind Flüssigkeitsansammlung, Kurzatmigkeit und Erschöpfung.
Die Nieren sind bei etwa 25 Prozent der Patienten betroffen, doch im Vergleich zu Lupus ist die Schädigung meist gering.
Andere mögliche Symptome sind Fieber, geschwollene Lymphknoten und Bauchschmerzen.
Es kann sich ein Sjögren-Syndrom entwickeln. Langfristig treten bei vielen Patienten Symptome auf, die eher für Lupus oder systemische Sklerodermie typisch sind.
Diagnose der Mischkollagenose
Bluttests
Mitunter andere Tests
Die Diagnose der Mischkollagenose stützt sich auf alle Informationen, die von den Ärzten zusammengetragen werden können: Symptome, Ergebnisse der körperlichen Untersuchung sowie sämtliche Testergebnisse.
Wenn sich die Symptome von Lupus, systemischer Sklerodermie und Polymyositis überschneiden, wird zumeist eine Mischkollagenose vermutet.
Das Blut wird auf antinukleäre Antikörper (ANA) sowie auf Antikörper gegen Ribonukleoproteine (RNP) untersucht, die bei fast allen Patienten mit Mischkollagenose auftreten. Wenn große Mengen dieser Antikörper, aber keine bei ähnlichen Erkrankungen auftretende Antikörper gefunden werden, liegt aller Wahrscheinlichkeit nach diese Erkrankung vor. Auch wenn Blutuntersuchungen bei der Diagnose hilfreich sein können, lässt sich rein dadurch keine definitive Diagnose einer Mischkollagenose stellen, denn auffällige Werte sind manchmal auch bei gesunden Personen oder bei Personen mit anderen Erkrankungen feststellbar.
Zur Feststellung, ob eine pulmonale Hypertonie vorliegt, werden Lunge und Herz mithilfe eines Lungenfunktionstests bzw. einer Echokardiographie untersucht. Wenn eine Schädigung anderer Organe vermutet wird, können weitere Tests gemacht werden, z. B. eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder eine Muskelbiopsie (Entnahme eines Stücks Muskelgewebe zu Untersuchungszwecken), um die Probleme auszumachen.
Behandlung einer Mischkollagenose
Nichtsteroidale Antirheumatika, Medikamente gegen Malaria oder sehr niedrige Kortikosteroiddosen bei leichtem Krankheitsverlauf
Kortikosteroide und andere Immunsuppressiva bei mittlerem bis schwerem Krankheitsverlauf
Weitere Behandlungen je nach Bedarf bei anderen Symptomen
Die Behandlung der Mischkollagenose ist ähnlich wie bei Lupus, systemischer Sklerodermie und idiopathischer entzündlicher Myopathie. Ein Kortikosteroid (ein Immunsuppressivum) ist meist wirksam, vor allem im frühen Krankheitsstadium.
Patienten mit einer leichten Erkrankung können mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), Malariamedikamenten (wie Hydroxychloroquin oder Chloroquin) oder sehr niedrigen Kortikosteroiddosen behandelt werden.
Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Erkrankung erhalten Kortikosteroide und manchmal andere Immunsuppressiva (wie Azathioprin, Methotrexat oder Mycophenolat-Mofetil).
Patienten, die sehr schwer erkrankt sind, erhalten höhere Dosen von Kortikosteroiden. Bei Patienten, bei denen wichtige Organe schwer angegriffen sind, werden in der Regel höhere Kortikosteroid-Dosen sowie zusätzliche Immunsuppressiva eingesetzt.
Wenn es zu einer Myositis oder einer systemischen Sklerodermie kommt, werden die entsprechenden Symptome dieser Krankheiten behandelt. uch beim Raynaud-Syndrom werden die entsprechenden Symptome behandelt, möglicherweise mit einem Kalziumkanalblocker (wie Nifedipin) und Medikamenten zur Steigerung der Durchblutung (wie Sildenafil oder Tadalafil).
Bei Einnahme von Kortikosteroiden besteht das Risiko von Brüchen aufgrund von Osteoporose. Zur Vorbeugung von Osteoporose können daher Osteoporosemittel verordnet werden, wie z. B. Bisphosphonate sowie Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D und Kalzium.
Bei Patienten, die Immunsuppressiva einnehmen, werden häufig auch Medikamente zum Schutz vor Infektionen durch Pilze wie Pneumocystis jirovecii (siehe Vorbeugung einer Lungenentzündung bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem) und Impfstoffe gegen häufige Infektionen wie Lungenentzündung (Pneumonie), Grippe (Influenza) und COVID-19 verabreicht.
Patienten mit Mischkollagenose erkranken häufiger an Atherosklerose und müssen ärztlich eng überwacht und beim Auftreten spezifischer Symptome und Komplikationen von Atherosklerose prompt behandelt werden.
Patienten mit Mischkollagenose können je nach den auftretenden Symptomen auch weiterhin alle 1 bis 2 Jahre anhand eines Lungenfunktionstests und/oder einer Echokardiografie auf pulmonale Hypertonie überwacht werden.
Prognose bei Mischkollagenose
Insgesamt liegt die 10-Jahres-Überlebensrate bei rund 96 Prozent. Die Prognose hängt jedoch weitgehend von den Symptomen der betroffenen Person ab. Bei Patienten, die überwiegend Symptome einer systemischen Sklerodermie und einer Polymyositis aufweisen, ist die Prognose beispielsweise schlechter.
Todesursachen sind vor allem pulmonale Hypertonie, aber auch Nierenversagen, Infektionen und Herzerkrankungen.