Lymphogranuloma Venereum (LGV)

VonSheldon R. Morris, MD, MPH, University of California San Diego
Reviewed ByChristina A. Muzny, MD, MSPH, Division of Infectious Diseases, University of Alabama at Birmingham
Überprüft/überarbeitet Geändert Aug. 2025
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Lymphogranuloma venereum (LGV) ist eine durch drei einzigartige Stämme von Chlamydia trachomatis hervorgerufene Erkrankung, die durch kleine, oft asymptomatische Hautläsionen charakterisiert ist, gefolgt von einer regionalen Lymphadenopathie in der Leiste oder im Becken. Alternativ, wenn durch Analsex erworben, kann es sich als schwere Proktitis manifestieren. Ohne Behandlung kann Lymphogranuloma venereum zu einer Obstruktion des Lymphflusses und chronischer Schwellung des Genitalgewebes führen. Die Diagnose wird durch die Anamnese und körperliche Untersuchung gestellt, meist ist aber auch eine labormedizinische Bestätigung mit serologischen Verfahren oder Immunfluoreszenz möglich. Die Therapie besteht aus 21 Tagen Tetrazyklin, Azithromycin oder Erythromycin.

(Siehe auch Übersicht von sexuell übertragbaren Krankheiten und Chlamydia.)

Lymphogranuloma venereum (LGV) wird durch die Serovare L1, L2 und L3 des Bakteriums Chlamydia trachomatis verursacht. Diese Serotypen unterscheiden sich von denen, die ein Trachom, eine Einschlusskonjunktivitis, und eine Chlamydien-Urethritis sowie eine Zervizitis verursachen, weil sie in regionale Lymphknoten eindringen und sich vermehren.

LGV ist in Teilen Afrikas, Südostasiens und anderen Gebieten der Welt endemisch (1). Es wird aus den o.g. gründen bei Männern viel häufiger diagnostiziert als bei Frauen. In Nordamerika, Europa und Australien wird unter Männern, die Sex mit Männern (MSM) haben, vermehrt LGV gemeldet (2).

Allgemeine Literatur

  1. 1. de Vries HJC, de Barbeyrac B, de Vrieze NHN, et al. 2019 European guideline on the management of lymphogranuloma venereum. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2019;33(10):1821-1828. doi:10.1111/jdv.15729

  2. 2. Williamson DA, Chen MY. Emerging and Reemerging Sexually Transmitted Infections. N Engl J Med. 2020;382(21):2023-2032. doi:10.1056/NEJMra1907194

Symptome und Anzeichen von LGV

LGV verläuft in drei Stadien.

Das Stadium 1 beginnt nach einer Inkubationszeit von etwa 3 Tagen mit einer kleinen Hautläsion an der Eintrittsstelle. Dies kann dazu führen, dass die darüberliegende Haut aufbricht (ulzeriert), heilt allerdings so schnell, dass es unbemerkt vorbeigehen kann. Personen, die rezeptiven Analsex praktizieren, können eine schwere Proktitis oder Proktokolitis mit blutigen eitrigen rektalen Ausflüssen haben.

Das Stadium 2 bei Männern beginnt in der Regel nach etwa 2–4 Wochen, mit inguinalen Lymphknoten auf einer oder beiden Seiten, die sich vergrößern und teilweise sehr ausgedehnte, empfindliche, manchmal flukturierende Massen oder Abszesse (Bubonen) bilden. Die Bubonen haften an tieferliegendem Gewebe und bewirken, dass sich die darüberliegende Haut entzündet, manchmal mit Fieber und Unwohlsein.

Stadium 2 bei Frauen verursacht häufig Rückenschmerzen oder Beckenschmerzen; die initialen Läsionen können sich an der Zervix oder im oberen Vaginalbereich befinden, was zu Vergrößerung und Entzündung der tieferen perirektalen und Beckenlymphknoten führt, und Rückenschmerzen oder Beckenschmerzen sind häufig.

Bei beiden Geschlechtern können sich multiple drainierende Fisteln bilden, die Eiter oder Blut sezernieren.

Im Stadium 3 heilen die Läsionen unter Narbenbildung, aber Fisteln können bestehen bleiben oder wiederkehren. Persistierende Entzündungen können aufgrund unbehandelte Infektionen auftreten und die Lymphgefäße obstruieren sowie Schwellungen und Hautwunden verursachen.

Es können Strikturen im Rektum auftreten und/oder Schmerzen aufgrund entzündeter Beckenlymphknoten entstehen. Proktoskopie kann diffuse Entzündungen, Polypen und Massen oder schleimig-eitrige Exsudate erkennen. Diese Befunde ähneln den entzündlichen Darmerkrankungen, einschließlich Morbus Crohn.

Diagnose von LGV

  • Anamnese und körperliche Untersuchung

  • Nukleinsäureamplifikationstests (NAAT)

Der Verdacht auf ein LGV besteht bei Patienten mit genitalen Ulzera, geschwollenen inguinalen Lymphknoten oder Proktitis, und die in Endemiegebieten leben, diese besucht haben oder sexuelle Kontakte zu Personen aus Gebieten hatten, in denen die Infektion verbreitet ist. Bei Männern lässt oft erst eine sonografische Darstellung der im kleinen Becken gelegenen entzündlichen Veränderungen das Ausmaß der Erkrankung erkennen. LGV wird auch bei Patienten mit Bubonen vermutet, die mit Abszessen sonstiger bakterieller Genese verwechselt werden können.

NAAT für C. trachomatis im Allgemeinen oder, wenn verfügbar, für die LGV-spezifischen Varianten ist die diagnostische Testmethode der Wahl. Der Nachweis von Antikörpern mittels Serologie wird nicht für den Routineeinsatz empfohlen, kann jedoch in bestimmten Fällen eine Rolle spielen, insbesondere wenn keine NAAT verfügbar ist (1, 2).

Nach scheinbar erfolgreicher Behandlung sollten die Patienten über 6 Monate überwacht werden.

Literatur zur Diagnose

  1. 1. Workowski KA, Bachmann LH, Chan PA, et al. Sexually Transmitted Infections Treatment Guidelines, 2021. MMWR Recomm Rep. 2021;70(4):1-187. Published 2021 Jul 23. doi:10.15585/mmwr.rr7004a1. Erratum: Vol. 70, No. RR-4. MMWR Morb Mortal Wkly Rep. 2023;72(4):107-108. Published 2023 Jan 27. doi:10.15585/mmwr.mm7204a5

  2. 2. de Vries HJC, de Barbeyrac B, de Vrieze NHN, et al. 2019 European guideline on the management of lymphogranuloma venereum. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2019;33(10):1821-1828. doi:10.1111/jdv.15729

Behandlung von LGV

  • Orale Tetracycline, Azithromycin oder Erythromycin

  • Möglicherweise Drainage von Beulen zur Symptomlinderung.

Doxycyclin 100 mg oral 2-mal täglich für 21 Tage ist die bevorzugte Behandlung. Alternativ kann Erythromycin 500 mg oral 4-mal täglich für 21 Tage oder Azithromycin 1 g oral einmal wöchentlich für 3 Wochen verwendet werden. Da das Erythromycin/Azithromycin-Regime nicht validiert wurde, kann 4 Wochen nach Abschluss der Behandlung ein Test zur Überprüfung der Heilung mittels Nukleinsäureamplifikationstest auf C. trachomatis in Betracht gezogen werden. Alle behandelten Patienten sollten nach 3 Monaten erneut getestet werden (1).

Die in späteren Stadien auftretenden Schwellungen von verletztem Gewebe können trotz einer Elimination der Bakterien persistieren. Bubonen können zur Beschwerdelinderung mit einer Nadel oder chirurgisch drainiert werden, die meisten Patienten sprechen jedoch rasch auf Antibiotika an. Bubonen und Fisteln können einen chirurgischen Eingriff erfordern, rektale Strikturen können jedoch meist dilatiert werden.

Personen, die in den 60 Tagen vor Beginn der Symptome des Patienten sexuellen Kontakt mit einem LGV-Patienten hatten, sollten untersucht und je nach Expositionsort auf Urethritis, Zervizitis oder rektale Chlamydien getestet werden. Sie sollten empirisch mit Doxycyclin 100 mg oral 2-mal täglich für 7 Tage behandelt werden (Alternativen sind eine Einzeldosis Azithromycin 1 g oral oder Levofloxacin), unabhängig davon, ob Hinweise auf ein LGV vorliegen.

Treatment reference

  1. 1. Workowski KA, Bachmann LH, Chan PA, et al. Sexually Transmitted Infections Treatment Guidelines, 2021. MMWR Recomm Rep. 2021;70(4):1-187. Published 2021 Jul 23. doi:10.15585/mmwr.rr7004a1. Erratum: Vol. 70, No. RR-4. MMWR Morb Mortal Wkly Rep. 2023;72(4):107-108. Published 2023 Jan 27. doi:10.15585/mmwr.mm7204a5

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