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Augenverätzungen

VonJurij R. Bilyk, MD, Thomas Jefferson University Hospital
Überprüft/überarbeitet Okt. 2024
DIE AUSGABE FÜR MEDIZINISCHE FACHKREISE ANSEHEN

Verbrennungen bzw. Verätzungen des Auges können nach Hitze- oder chemikalienbedingten Verletzungen auftreten und zu schweren Komplikationen führen, einschließlich einer dauerhaften Erblindung.

(Siehe auch Überblick über Augenverletzungen.)

Das Augenlid schließt sich als Reflex zum Schutz der Augen vor Verletzung sehr schnell. Trotzdem gelangen entzündliche oder schädigende Chemikalien manchmal an die Oberfläche des Auges, was zu Verätzungen führt.

Die gefährlichsten chemischen Verätzungen entstehen durch stark säurehaltige oder alkalische Substanzen. Verätzungen mit Alkali sind tendenziell schwerwiegender als Verätzungen mit Säure. Alkalihaltige Stoffe enthalten Lauge und kommen am häufigsten in Bleichmitteln, Beton, Gips und Mörtel, Ofen- und Abflussreinigern, Spülmaschinenreiniger und Düngemitteln vor. Verätzungen können durch verspritzte Flüssigkeiten, oder seltener, durch Pulverstoffe, die in die Augen gelangen, verursacht werden.

Schwere chemische Verätzungen der transparenten Kuppel vorne am Auge (Cornea), insbesondere Verletzungen durch alkalihaltige Stoffe, können zu Narbenbildung, Perforation des Auges, Infektion und Erblindung führen.

Verätzungen der Augen sind sehr schmerzhaft. Wegen der großen Schmerzen wird meist versucht, das Auge geschlossen zu halten. Das allerdings verlängert den direkten Augenkontakt mit der schädigenden Substanz, wodurch sich der Schaden verschlimmert.

Der Blinkreflex ist in der Regel der Grund dafür, dass das Auge sich bei Hitze schließt. Deshalb treten thermische Verbrennungen in der Regel am Augenlid auf, statt an der Bindehaut oder der Hornhaut. Verbrennungen der Bindehaut oder der Hornhaut sind in der Regel nicht schwerwiegend und verursachen unter Umständen keine bleibenden Schäden am Auge.

Das Tragen einer Sicherheitsbrille oder einer Gesichtsmaske beim Umgang mit potenziell gefährlichen Materialien ist unabdingbar, um Verbrennungen vermeiden zu helfen.

Behandlung von Verbrennungen am Auge

  • Auge sofort mit Wasser spülen

  • Durchgehendes Spülen des Auges mit Kochsalzwasser durch medizinisches Personal

Chemische Verätzungen

Eine chemische Verätzung des Auges wird sofort behandelt, noch vor Ankunft von medizinischem Personal. Das Auge ist offen und wird mit Wasser oder Kochsalzlösung gespült (irrigiert). Wenn die Verätzung durch starke Säuren oder alkalihaltige Stoffe oder andere stark ätzende Substanzen verursacht wurde, sollte das Auge laufend für mindestens 30 Minuten oder solange gespült werden, bis der pH-Wert (Messung des Säure- oder Laugengehalts) des Auges wieder normal ist. Das Spülen kann im Krankenwagen oder in der Notaufnahme fortgeführt werden. Da der Schmerz es dem Betroffenen schwer macht, das verletzte Auge offen zu halten, sollte eine andere Person das Lid aufhalten, während das Auge gespült wird.

Ein Arzt oder eine andere qualifizierte Person kann Betäubungstropfen ins Auge träufeln, was es viel leichter macht, das verletzte Auge offen zu halten. In der Notaufnahme verwenden die Ärzte oft spezielle Spülvorrichtungen.

Nach dem Spülen untersucht der Arzt die Oberfläche und das Innere des Auges und entfernt alle Substanzen, die noch im Gewebe eingebettet sind. Die Innenseite des Augenlids wird abgetupft, um alle kleinen Partikel, die noch sichtbar sind, zu entfernen.

Der Arzt träufelt eventuell ein Medikament (wie Cyclopentolat oder Homatropin) ein, das die Pupille weitet, damit die Muskeln des farbigen Teils des Auges (der Iris) beruhigt werden und keine schmerzhaften Krämpfe mehr haben. Topische Antibiotika (als Tropfen oder Salbe) werden zur Befeuchtung des Auges und zur Vorbeugung vor einer Infektion verwendet. Kortikosteroid-Tropfen (wie Prednisolon) können auch von einem Ophthalmologen (einem Arzt, der sich auf die Untersuchung und operative wie nicht operative Behandlung von Augenkrankheiten spezialisiert hat) für einen begrenzten Zeitraum verabreicht werden.

Auch wenn betäubende Augentropfen den Schmerz stillen, können sie das Abheilen verlangsamen, und werden deshalb im Allgemeinen nach der ersten Spülung nicht verabreicht. Schmerzen können mit Paracetamol oder, wenn sie schwerwiegend sind, mit einem rezeptpflichtigen Schmerzmittel behandelt werden. Falls die Hornhaut verätzt ist, wird eine antibiotische Salbe im Auge verwendet.

Schwere Verätzungen müssen von einem Ophthalmologen (einem Arzt, der sich auf die Untersuchung und operative wie nicht operative Behandlung von Augenkrankheiten spezialisiert hat) binnen 24 Stunden behandelt werden. Eine solche rechtzeitige Behandlung ist erforderlich, um das Sehvermögen zu erhalten und schwerwiegende Komplikationen wie eine Schädigung der Hornhaut und der Iris, eine Perforation des Auges und Deformierungen des Augenlids zu verhindern.

Bei schwereren Verätzungen können zudem andere topische und/oder oral einzunehmende Medikamente sowie Vitamin C verabreicht werden. Schwere Verätzungen sollten häufig untersucht werden. Einige chemische Verätzungen sind so schwerwiegend, dass eine Operation erforderlich ist. Selbst mit der besten Behandlung kann das Auge erblinden oder sehbehindert werden.

Wussten Sie ...

  • Eine chemische Verätzung des Auges sollte sofort und mindestens solange mit Wasser gespült werden, bis eine medizinische Fachkraft eingetroffen ist.

Thermale Verbrennungen

Verbrennungen der Augenlider werden wie andere Hautverbrennungen behandelt. Die Ärzte reinigen die Verbrennungen des Augenlids und tragen dann Antibiotika für Augen auf, um einer Entzündung vorzubeugen. Verätzungen der Bindehaut oder der Hornhaut können schmerzhaft sein. Daher können Betroffene Schmerzmittel (Analgetika) erhalten. Die Ärzte verabreichen auch eventuell ein Medikament (wie Cyclopentolat oder Homatropin), um das schmerzhafte Verkrampfen der Muskeln, die die Pupille zusammenziehen, zu vermeiden, wie auch eine antibiotische Augensalbe zur Vorbeugung einer Infektion.

Schwere Verätzungen können mehrere Operationen erforderlich machen. Beispielsweise kann eine schwere hitzebedingte Verbrennung des Augenlids dazu führen, dass das Augenlid nicht mehr geschlossen werden kann, sodass die Hornhaut nicht freiliegt. Dann kann der Arzt ein Verfahren namens Tarsorrhaphie durchführen. Bei diesem Verfahren werden die Augenlider teilweise zusammengenäht, um das Auge vor Fremdkörpern und Austrocknen zu schützen, während der Betroffene dennoch durch eine verengte Öffnung sehen kann. Eine rekonstruktive Operation wird erst durchgeführt, wenn das Auge ausreichend ausgeheilt ist.